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02.09.2013 - Stiftung Warentest kritisiert Dispozinsen

Genossenschaftsbanken reagieren empört – Finanzminister Schmid sieht sich bestätigt
Von Hannes Koch, Steffen Range und Susanne Schulz
BERLIN - Viele Banken verlangen von ihren Kunden laut Stiftung Warentest noch immer überhöhte Dispozinsen. Wer sein Girokonto überzieht, zahlt bis zu 14,75 Prozent Zinsen, ergab ein Vergleich für die Zeitschrift Finanztest. Besonders Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken im ländlichen Raum nutzten ihre Monopolstellung aus und schröpften die Kunden, kritisierte Stiftungsvorstand Hubertus Primus. Die Tester verglichen Konditionen von 1538 Banken und stießen auf große Unterschiede. Der günstigste Anbieter verlangte für den Dispo 4,2 Prozent. Der Durchschnitt lag bei 11,31 Prozent. Die Stiftung hält Dispozinsen von deutlich unter 10 Prozent für angebracht. Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken warfen der Stiftung Stimmungsmache vor. „Ich kann das Getöse nicht nachvollziehen. Statt Aufklärung über den Mechanismus zu betreiben, der hinter der Preisfindung von Dispozinsen steht, mokiert man sich ausschließlich über die Höhe der Zinsen“, so der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, Manfred Götzl. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte kürzlich eine Obergrenze für Dispozinsen von acht Prozentpunkten über dem Leitzins gefordert. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner regte an, ein Vergleichsportal im Internet zu gründen. Die Schwäbische Zeitung hatte Ende Juli dokumentiert, dass es auch im Südwesten bei vielen Banken an Transparenz mangelt. Preisaushänge waren, wenn überhaupt, meist nur schwer auf den Internetseiten auffindbar. Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid sieht sich durch die Warentest-Studie bestätigt: „Die Verbraucher in diesem Land verdienen Schutz vor Abzocke. Es ist absolut unsozial, dass die Bundesregierung diesen Schritt zu mehr Verbraucherschutz blockiert hat.“ Die Landesregierung hatte 2012 im Bundesrat versucht, eine Zinsbegrenzung zu erreichen. Die Initiative wurde von Schwarz-Gelb im Bundesrat gestoppt. ● WIRTSCHAFT

Genossenschaftsbanken reagieren empört – Finanzminister Schmid sieht sich bestätigt

Von Hannes Koch, Steffen Range und Susanne Schulz

BERLIN - Viele Banken verlangen von ihren Kunden laut Stiftung Warentest noch immer überhöhte Dispozinsen. Wer sein Girokonto überzieht, zahlt bis zu 14,75 Prozent Zinsen, ergab ein Vergleich für die Zeitschrift Finanztest. Besonders Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken im ländlichen Raum nutzten ihre Monopolstellung aus und schröpften die Kunden, kritisierte Stiftungsvorstand Hubertus Primus.

Die Tester verglichen Konditionen von 1538 Banken und stießen auf große Unterschiede. Der günstigste Anbieter verlangte für den Dispo 4,2 Prozent. Der Durchschnitt lag bei 11,31 Prozent. Die Stiftung hält Dispozinsen von deutlich unter 10 Prozent für angebracht. Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken warfen der Stiftung Stimmungsmache vor. "Ich kann das Getöse nicht nachvollziehen. Statt Aufklärung über den Mechanismus zu betreiben, der hinter der Preisfindung von Dispozinsen steht, mokiert man sich ausschließlich über die Höhe der Zinsen", so der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, Manfred Götzl. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte kürzlich eine Obergrenze für Dispozinsen von acht Prozentpunkten über dem Leitzins gefordert. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner regte an, ein Vergleichsportal im Internet zu gründen. Die Schwäbische Zeitung hatte Ende Juli dokumentiert, dass es auch im Südwesten bei vielen Banken an Transparenz mangelt. Preisaushänge waren, wenn überhaupt, meist nur schwer auf den Internetseiten auffindbar.

Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid sieht sich durch die Warentest-Studie bestätigt: "Die Verbraucher in diesem Land verdienen Schutz vor Abzocke. Es ist absolut unsozial, dass die Bundesregierung diesen Schritt zu mehr Verbraucherschutz blockiert hat." Die Landesregierung hatte 2012 im Bundesrat versucht, eine Zinsbegrenzung zu erreichen. Die Initiative wurde von Schwarz-Gelb im Bundesrat gestoppt. ● WIRTSCHAFT




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