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07.05.2013 - Wie die schwäbischen Sparer ticken

Anleger investieren in Immobilien und stehen Aktien skeptisch gegenüber

RAVENSBURG (str) - Schwäbische Sparer scheuen riskante Spekulationen, besitzen Daimler-Aktien und halten ihr Geld eisern zusammen. Das stimmte vielleicht früher. Doch in Zeiten niedriger Zinsen ändern sich die Gewohnheiten. Wir haben drei Finanzberater befragt, wie Anleger im Südwesten derzeit ticken.

Von der eigenen Immobilie lässt sich kaum einer abbringen, obwohl die Preise stark gestiegen sind. „Es bedarf großer Überzeugungsarbeit, nicht blind den Trends hinterherzulaufen. Derzeit geht der Trend in Richtung Immobilien“, sagt Lars Roth, Finanzberater bei der Bezirksvereinigung Ravensburg, Bodensee und Sigmaringen der Volks- und Raiffeisenbanken. Immobilien gelten als sicher und beständig, im Gegensatz zu Aktien. Viele Anleger seien ängstlich gegenüber schwankenden Anlagen, sagt Roth.

Tatsächlich stecken konservative Sparer in der Klemme: Am liebsten würden sie ihr Geld aufs Tagesgeldkonto tragen, doch dafür gibt es kaum noch Zinsen. Also müssen sie sich mit riskanteren Wertpapieren anfreunden. Schweren Herzens, weil viele an der Börse mit der Telekom-Aktie schlechte Erfahrungen gemacht haben. „Der Schrecken mit der Telekom sitzt vielen noch im Nacken“, sagt Matthias Reiter, Leiter Vermögensmanagement der Sparkasse Ravensburg. Das bestätigt Thomas Böckelmann, Geschäftsführer der Veitsberg Gesellschaft für Vermögensbetreuung Ravensburg: „Die Aktie stößt auf Vorbehalte, obwohl man nachweisen kann, dass Aktien ein Portfolio sicherer machen können.“ Früher hieß es, Daimler fehle in keinem schwäbischen Depot. Jetzt haben die Anleger offenbar einen anderen Liebling: Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé.

Gold dagegen ist weniger gefragt als 2012. Grund: Die Angst vor einem Kollaps des Euro sei nicht mehr weit verbreitet, analysiert Reiter. „Gold ist eine Versicherungsprämie für den Fall, dass die Hütte brennt“, sagt Böckelmann. Anleger wappnen sich also für den Fall der Fälle – und nehmen sogar abgeklärt fallende Kurse in Kauf, wie Reiter im April erfuhr. Damals sackte der Goldpreis ab – und niemand rief ihn wütend an.

Eine Tugend allerdings kommt in Zeiten niedriger Zinsen abhanden: Sparsamkeit. Bevor sich Vermögen verflüchtigen, renovieren die Menschen lieber Häuser, kaufen Möbel oder Reisemobile: „Es wird viel in Sanierung und in Erhalt der Substanz angelegt“, sagt Roth. Reiter stellt fest: „Für Konsum und Investitionen wird zurzeit viel ausgegeben.“




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