Presse > Presse Detail

27.03.2013 - "Eines der besten Sicherungssysteme"

Zypernkrise: Volksbank-Vorstand warnt verunsicherte Sparer vor übereilten Reaktionen

RAVENSBURG - Viele Anleger in Deutschland fürchten seit den turbulenten Tagen in Zypern um ihre Ersparnisse. Wie es überhaupt soweit kommen konnte und ob die Sorgen der Sparer berechtigt sind, darüber sprach Volksbank-Vorstand Franz Schmid mit Steffen Range.

SZ: Teilen Sie die Sorge der deutschen Anleger um ihr Erspartes?
Franz Schmid: Dass die Anleger beunruhigt sind, ist allzu verständlich und nachvollziehbar. Die ursprünglich geplante Beteiligung aller Sparer an den Rettungsplänen für Zypern war alles andere als glücklich. 

SZ: Warum hat die EU sich so verhalten?
Schmid: Mit Zypern wollte man sicherlich ein Exempel statuieren und zeigen: Länder, die jahrelang ein Geschäftsmodell auf Kosten anderer betreiben, können nicht auf die Milde der EU hoffen. Leider ist dies in der Kommunikation völlig danebengegangen. 

SZ: Wurde mit der teilweisen Enteignung der Bankkunden in Zypern ein Tabu gebrochen? 
Schmid: Die Enteignung der Sparer hat doch schon längst stattgefunden. Negative Realzinsen lassen die Kaufkraft der Spareinlagen unbemerkt abschmelzen. Somit sind die deutschen Sparer schon lange an den Sanierungsmaßnahmen der EU beteiligt. Aber anders geht es wohl nicht mehr.

SZ: Sind die Einlagen der Deutschen sicher?
Schmid: Deutschland hat sicherlich eines der besten Einlagensicherungssysteme in Europa. Neben der europaweit gültigen Einlagensicherung über 100 000 Euro gilt das Wort der Bundeskanzlerin und des damaligen Finanzministers Steinbrück, dass Spareinlagen betragsunabhängig sicher sind. Die Sparkassen wie auch die Genossenschaftsbanken haben wohl das wirksamste eigene Sicherungssystem, indem Sie Probleminstitute mit der Kraft ihrer Verbünde und des eigenen Einlagensicherungssystems schützen. Das wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder praktiziert und dies alles geräuschlos, ohne großes Aufsehen. Was auch die Gelüste der EU erklärt, die Sicherungssysteme der Genossenschaftsbanken und Sparkassen aller Euro-Banken zur Verfügung zu stellen. Dagegen haben wir uns bisher erfolgreich wehren können. 

SZ: Warum ist Deutschland nicht mit Zypern vergleichbar? 
Schmid: Das ist ganz einfach zu beantworten. Das deutsche Geschäftsmodell ist auf Arbeit aufgebaut, sprich Produktion, also Realwirtschaft. Das zyprische Geschäftsmodell ist auf Finanztransaktionen aufgebaut, die durch günstige Steuersätze und laxe Kontrolle oftmals zwielichtiges Kapital angezogen haben. Somit war es immer schon eine Frage der Zeit, bis das Geschäftsmodell kippt. Ohne fundierte Realwirtschaft kann keine Volkswirtschaft langfristig erfolgreich sein. Das gilt auch für andere, ähnliche Systeme – in Europa und in der Welt. 

SZ: Was raten Sie Sparern?
Schmid: Wichtig in jeder Anlageentscheidung ist es, nicht überhastet und emotional zu reagieren. Ein Patentrezept gibt es da nicht, da Vermögensanlage immer vor dem individuellen Hintergrund und der Lebenssituation des Anlegers zu sehen ist. Grundsätzlich gilt immer noch der Spruch: Wer viel streut, rutscht nicht aus. 




Diesen Artikel als PDF-Dokument herunterladen:


{if_files}Weitere Informationen zu diesem Artikel als PDF-Dokumente herunterladen:

zurück