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28.07.2011 - Schaffer: Baden-Württemberger haben oft Nebenjobs

Jeder neunte Arbeitnehmer im Südwesten jobbt zusätzlich – Haushaltshilfen und Hausmeister sind gefragt

STUTTGART - Nach einem harten Acht-Stunden-Tag geht es abends noch zum Bedienen in die Kneipe oder am Wochenende zum Aushelfen aufs Feld. In Baden-Württemberg ist diese Konstellation üblicher als man denkt: Denn in keinem anderen Bundesland haben so viele Arbeitnehmer einen Nebenjob wie im Südwesten.
Jeder neunte Beschäftigte – elf Prozent – verdient sich mit einem Minijob regelmäßig etwas hinzu, wie das Statistische Landesamt nun mit Verweis auf Daten von Mitte 2010 mitteilt. Bundesweit liegt der Anteil der Beschäftigten mit Nebenjob bei 8,5 Prozent. Den kleinsten Anteil hat mit knapp vier Prozent Sachsen-Anhalt. In Bayern üben knapp zehn Prozent einen Zweitjob aus. Seitdem die geringfügige Beschäftigung 2003 neu geregelt worden ist, hat sich die Zahl der Arbeitnehmer mit Nebenjob bis Mitte 2010 fast verdoppelt (plus 89 Prozent). Damals wurde beschlossen, dass ein Minijob, der neben der Haupttätigkeit ausgeübt wird, sozialversicherungsfrei bleibt. Zudem wurde die Verdienstgrenze von 325 auf 400 Euro angehoben.
Dass solche Minijobs mittlerweile reguläre Beschäftigung verdrängen, verneint Kerstin Fickus, Sprecherin der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. Denn diese steige ebenfalls. Der deutliche Zuwachs an Minijobs hänge auch mit der starken Wirtschaft in Baden-Württemberg zusammen. „Das Beschäftigungsniveau ist sehr hoch. Wir nähern uns in manchen Regionen der Vollbeschäftigung“, verdeutlicht Fickus. Entsprechend hoch sei auch die Nachfrage nach Arbeitskräften. Außerdem könne man beobachten, dass die Nachfrage nach Minijobs durchaus vorhanden sei – insbesondere bei Frauen.
Besonders viele Nebenerwerbstätige gibt es beim Hauspersonal: Auf knapp 5500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte kommen hier fast 7600 Nebenjobber (138 Prozent). Auch bei Immobilienmaklern und Wohnraumverwaltern (115 Prozent), im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (49 Prozent) sowie im Gastgewerbe (44,3 Prozent) gibt es sehr viele Minijobber.
Naturgemäß kritisch sieht dies der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). „Ein Großteil braucht einfach das Geld“, erklärt der baden-württembergische DGB-Sprecher Jürgen Klose den enormen Anstieg der Niedriglohn-Jobs in den vergangenen Jahren. Dass der Anteil im Südwesten besonders hoch ist, führt der Gewerkschafter zwar auch auf die gute Konjunktur zurück, genauso aber auf die niedrigen Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre und die hohen Lebenshaltungskosten. Der DGB hat das Ziel, den Niedriglohn- Sektor wieder zu verkleinern. „Jeder Job sollte sozialversicherungspflichtig sein“, fordert Klose.
Unterschiedliche Gründe für den Minijob-Boom vermutet man beim Statistischen Landesamt, auch wenn diese in der Studie nicht untersucht worden seien. Insgesamt wachsen die Bereiche Minijobs, Teilzeit und Zeitarbeit stärker als die „normale“ Beschäftigung, bestätigt Monika Kaiser, Referatsleiterin für Beschäftigung und Arbeitsmarkt. Auffällig sei zudem, dass deutlich mehr Frauen als früher arbeiteten. Unter den 416 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigen mit Minijob sind 235 000 Frauen und nur 181 000 Männer.


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