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15.03.2019 - Digitalisierung als Chance für die Region

Ob autonomes Fahren, Smart Home, Robotik oder Bildungspolitik: Die Digitalisierung betrifft fast alle Lebensbereiche. Deshalb hat die Vereinigung der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Bezirk Ravensburg-Bodensee-Sigmaringen jetzt die Auseinandersetzung mit diesem Thema vorangetrieben. Eine Expertenrunde aus Forschung, Industrie und Handwerk beleuchtete im Gespräch mit Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut das Thema „Digitalisierung als Chance für die regionale Wirtschaft“.

KISSLEGG - Bewusst sei für dieses Diskussionsforum ein zukunftsgerichteter Titel mit Betonung der Chancen gewählt worden, erklärte Franz Schmid, Vorstandsvorsitzender der hiesigen Bezirksvereinigung der Volks- und Raiffeisenbanken. Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut sah in den Chancen der Digitalisierung zugleich eine Aufgabe: „Wir müssen die Möglichkeiten optimal nutzen, denn sonst werden wir im internationalen Wettbewerb langfristig nicht erfolgreich sein können“, sagte sie vor rund 100 Geschäftspartnern der Volks- und Raiffeisenbanken im Neuen Schloss Kißlegg. Sie verwies darauf, dass Bund und Länder derzeit Milliardenbeträge für die Digitalisierung geben – für den Ausbau der Infrastruktur ebenso wie für digitale Lehrmittel wie Tablets an Schulen. 

Die Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnete sie „eine Basis-Technologie der Zukunft“. „Wir haben nicht nur die Kompetenz, sondern auch die Anwender in Baden-Württemberg“, sagte Hoffmeister-Kraut. Deutschland sei führend in der KI-Forschung, allerdings gehe dies nicht in marktfähige Produkte über. „Da müssen wir effizienter werden“, forderte sie. Auch in datenbasierten Geschäftsmodellen erkannte sie neue Wege der Wertschöpfung. Kurzum: „Es muss unser Anspruch sein, auf der Basis unseres Wertesystems die digitalen Transformationsprozesse zu gestalten“, forderte sie im Laufe der lebendigen Diskussion, in die sich auch die Zuhörer einbringen konnten. Sie forderten unter anderem mehr Engagement beim Ausbau der Breitband-Infrastruktur. Daran werde mit Hochdruck gearbeitet, betonte Hoffmeister-Kraut. 

Was bringt die Zukunft? Diese Frage richtete Moderator Benjamin Wagener, Ressortleiter Wirtschaft der „Schwäbischen Zeitung“, an Prof. Dr. Wolfgang Ertel vom Institut für Künstliche Intelligenz an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Seine Antwort: Die Revolution im Bereich der Künstlichen Intelligenz heißt „maschinelles Lernen“. Dies werde sich flächendeckend durchsetzen. Die Deep-Learning-Revolution führe beispielsweise zum autonomen Fahren. „Wir werden in ein bis zwei Jahren autonome Roboter-Taxis auf unseren Straßen haben“, prophezeite Ertel. „Vielleicht dauert es auch drei Jahre, aber es wird schnell gehen.“ Deshalb müsse man sich auf neue Geschäftsmodelle einstellen. Ertel sah die Zukunft in diesem Bereich nicht im Verkauf von SUVs, sondern von Mobilitätsdienstleistungen. Der nächste Schritt seien Service-Roboter für den Haushalt.„Sie werden uns aber nicht nur Arbeit abnehmen, sondern auch Ressourcen verbrauchen“, warnte er und forderte angesichts des Klimawandels:„Wir müssen uns über Nachhaltigkeit Gedanken machen.“

„Es gibt so viel zu tun, und es lohnt sich, es zu tun“, sagte Herrmann Müller, Geschäftsführer der Amtszeller Firma FPT Robotik GmbH & Co.KG. Er sieht die Entwicklung nicht so schnell voranschreiten wie sein Vorredner und brachte weitere Facetten in die Diskussion ein. Durch die Digitalisierung würden viele Arbeitsplätze verloren gehen, aber auch neue Berufe entstehen. Maschinen müssten aufgrund der Sensortechnik anders gebaut werden. Beim Umgang mit Daten seien internationale Standards nötig. „Wir müssen klären, in welchem Rechtssystem sich die Daten befinden“, forderte Müller. Auch in der Bildungspolitik muss seiner Ansicht nach angesetzt werden:„Wenn wir nicht lernen, die Lehrer anders auszurüsten, dann werden wir im internationalen Wettbewerb verlieren.“

Kreishandwerksmeister Michael Bucher aus Bad Waldsee berichtete, dass sich die Digitalisierung aufs Handwerk vor allem durch das Thema Smart Home und die Vernetzung der Anlagen auswirkt. Hier seien viele Gewerke von Elektro über Heizung und Sanitär bis zum Rollladenbau einbezogen. Auch in der Produktion setzten Handwerksbetriebe digitale Technik ein. Die Kosten dafür seien aber hoch, da das Handwerk nicht in großen Stückzahlen produziert. Bucher hielt angesichts der Diskussion über weltweite Zusammenhänge ein flammendes Plädoyer für das Handwerk und die Region:„Das Handwerk sorgt für das Dasein hier vor Ort. Wir brauchen gute Leute vor Ort!“ Diesen Gedanken griff Franz Schmid für sein Schlusswort auf: „Bei aller Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Algorithmen – der Sinn des Lebens sind immer noch die sozialen Beziehungen.“ 


Weitere Informationen zu diesem Artikel als PDF-Dokumente herunterladen:

Digitalisierung als Chance für die Region – Südfinder Allgäu
Digitalisierung als Chance für die Region – Südfinder Bodensee
Digitalisierung als Chance für die Region – Südfinder Oberschwaben
Digitalisierung als Chance für die Region – Südfinder Sigmaringen
Digitalisierung als Chance für die Region – Wochenblatt

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