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22.02.2019 - Firmen auf dem Weg ins digitale Zeitalter

KISSLEGG - Welche Chancen bestehen für die regionale Wirtschaft im Hinblick auf die Digitalisierung? Ist das Land Baden-Württemberg überhaupt gut auf den Wandel vorbereitet? Und wie groß ist der Einfluss der „Künstlichen Intelligenz“ auf die Entwicklung von Unternehmen? Alles Fragen, die in einer Gesprächsrunde mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut im Neuen Schloss Kißlegg und ausgesuchten Gästen aus der Region, dann aber auch im größeren Rahmen, erörtert wurden. 

Unternehmer und Kommunalpolitiker haben am Freitag im Neuen Schloss in Kißlegg das Gespräch mit Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut gesucht. Die Moderation lag in den Händen von Benjamin Wagener, der das Ressort „Wirtschaft“ bei der „Schwäbischen Zeitung“ leitet. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem CDU-Landtagsabgeordneten Raimund Haser, eingeladen hatten die Bezirksvereinigung der Volksbanken und Raiffeisenbanken Ravensburg, Bodensee und Sigmaringen. 

Zunächst war es Ministerin Hoffmeister- Kraut, die eine Standortbestimmung zum gestellten Themenfeld gab. Wichtig war es ihr dabei, auf die „sehr gute Ausgangsbasis“ und auf die Tatsache hinzuweisen, dass viele Unternehmen in Baden-Württemberg bei der Digitalisierung schon auf einem guten Weg seien. Gleichzeitig machte sie keinen Hehl daraus, dass die Chance, auch international erfolgreich zu sein, nur im partnerschaftlichen Miteinander zu finden sei. 

Turbo einlegen mit 4.0. 

Mit der „Initiative Wirtschaft 4.0“, so die Ministerin weiter, wolle man jetzt „den Turbo einlegen“ und das Land auf dem Weg ins digitale Zeitalter einen ordentlichen Schub verleihen. Voller Selbstvertrauen sagte die 46-Jährige: „Wir haben nicht nur die Kompetenz, sondern auch die Anwender.“ Und später, als die Sprache auf die Vorreiterrolle Chinas kam und die damit verbundene Angst, es könnten bei uns Arbeitsplätze verloren gehen, gab sie zur Antwort: „Es gilt, die Basis unseres Wertesystems aus unserem Kulturraum heraus zu gestalten und nicht nur anderen Nationen folgen zu müssen.“ 

Wolfgang Ertel, Professor am Institut für „Künstliche Intelligenz“ an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, redete dem „Maschinellen Lernen“ das Wort und verdeutlichte: „Wir erleben in den letzten zehn Jahren eine Revolution. Die Industrie meldet sich verstärkt bei uns. Wir brauchen lernfähige Programme.“ Ertel führte vor Augen: „Selbstfahrende Autos, Serviceroboter und Smart Homes werden das Leben stark verändern.“

Mit „Diese Dinge werden aber vermehrt Ressourcen verbrauchen“ war der Professor bei der Ökologie angelangt und bei seiner Einschätzung, dass hier die Politik „auf allen Ebenen aktiv werden muss“. Schon 1972 sei der Appell in Richtung „Verursacherprinzip“ ergangen. Darauf Hoffmeister-Kraut: „Für den Bereich Klimaschutz ist die Politik wie auch der Mensch gefordert. Da bringt uns das Schwarz-Weiß-Denken nicht weiter.“ Auch müsse Europa hier „international verhandeln“, so die Ministerin. Einer, der sich mit Chancen und Risiken hinsichtlich der „Arbeit von morgen“ auskennt, ist Hermann Müller. Der Geschäftsführer der Firma „FPT Robotik GmbH“ in Amtzell, die sich mit der Herstellung und Entwicklung von Automatisierungssystemen und Industrierobotern beschäftigt, zog sein Fazit: „Ja, die Künstliche Intelligenz ist relevant. Den Arbeitsalltag wird aber in naher Zukunft weiterhin der Mensch dominieren.“ Nachdem er selber die Daten-Problematik ins Spiel gebracht hatte, war Müller überzeugt: „Die muss die Industrie selber regeln.“

Breitbandausbau gewünscht

Markus Immler aus Isny wandte sich mit einem Vorwurf an die Ministerin: „Bevor wir hier von Robotern und autonomem Fahren reden, wollen wir gerne etwas über unsere Infrastruktur hören. Beim Datentransfer sind wir nämlich völlig abgehängt und sehen nicht einmal mehr die von Schnelleren erzeugte Staubwolke.“ Diese erwiderte: „Wir tun alles dafür, dass es beim Breitbandausbau schneller voran geht. Aber jeder will die schnelle Datenübertragung, aber keiner den Mobilfunkmasten.“ 

Die Wortmeldung von Michael Bucher, Obermeister der Schreinerinnung Ravensburg, beendete das eineinhalbstündige Wirtschaftsgespräch. Wörtlich sagte Bucher: „Das Handwerk wird total vergessen. Immer ist nur die Rede von der Industrie und der globalen Welt. Wir sorgen hier vor Ort dafür, dass der Elektriker ins Haus kommt oder der Bäcker frische Brötchen liefert.“ Unter dem Applaus der Zuhörer zeichnete Bucher das Bild „von einer Wanderung in den Bergen bei Sonnenschein und ohne Smartphone“.




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