Presse > Presse Detail

23.04.2015 - VR-Banken in der Region warnen vor Negativzinsen für Förderkredite

  • Ausgerechnet die staatliche KfW will Unternehmen dafür belohnen, dass sie Kredite aufnehmen. Das ist das falsche Signal!

Altshausen, 23. April 2015

KfW vor dem Sündenfall?
Die staatliche Förderbank KfW erwägt, ihren Kunden etwas zu bezahlen, wenn sie bei ihr Kredit aufnehmen. Diese Pläne, die ernsthaft diskutiert werden, gehen in Zeiten von geldpolitischer Anabolika – über Staatsanleihenkäufe bis "Grexit"-Diskussion – fast in der allgemeinen Hektik unter. "Zu Unrecht", sagt Franz Schmid, Vorstandsvorsitzender der VR-Bezirksvereinigung Ravensburg-Bodensee-Sigmaringen, im Namen der Vorstände regionaler Genossenschaftsbanken: "Der Kreditnehmer", so Schmid, "wird sich zunächst über diese Entwicklung freuen, weil eine Belohnung für die Aufnahme von Förderkrediten den Zinsdienst entlastet und in der Folge den finanziellen Spielraum erhöht." Gesamtwirtschaftlich stelle sich das Bild jedoch etwas anders dar. "Der Zins ist und bleibt ein wesentliches Steuerungsinstrument unserer Marktwirtschaft. Der Zins ist für die Markwirtschaft so wichtig wie für uns Menschen die Luft zum Atmen. Wenn sich Investitionen über negative Zinsen wie von selbst bezahlen, wird das Leistungsprinzip ausgehebelt und ad absurdum geführt. Die Kredittilgung erfolgt dann nicht mehr durch die Früchte unternehmerischer Leistung und Innovation, sondern durch die automatische Gutschrift des negativen Kreditzinses." Der Kreditnehmer werde somit ohne größere Leistung belohnt und sogar dazu animiert, weitere Kredite aufzunehmen, was nicht im Sinne eines Förderkredites sein kann.

Schlechtes Vorbild sind die Staaten
Die südeuropäischen Staaten haben es laut Schmid vorgemacht. "Mit Eintritt in die Währungsunion ist der Druck der hohen Zinsen durch das Ventil Eurobeitritt innerhalb kürzester Zeit abgelassen worden. Den neuen Freiraum der billigen Zinsen haben diese Staaten nicht genutzt, um besser und innovativer zu werden, sondern um sich weiter im Reparaturbetrieb Europa durchzuwursteln."

Oberschwaben ist anders
Positiv anzumerken ist, dass sich der Süden Baden-Württembergs und der dort beheimatete Innovationsgeist von den Zinsen nur wenig beeinflussen lässt. Langfristig würde eine solche Entwicklung in Europa eine massive Innovationsbremse herbeiführen, von der auch unsere Raumschaft betroffen wäre. "Es bleibt nur zu hoffen, dass die KfW sich dieser Verantwortung bewusst ist und nicht dem real existierenden Surrealismus der EZB folgt, die mit Ihrer Geldpolitik bereits dafür gesorgt hat, dass sich einige Staaten im Euroraum teilweise über Negativzinsen finanzieren können", so Schmid.

Das Leid des Sparers
Von der ganzen verkehrten Welt, die aus den Fugen ist,  kann der Sparer in Zeiten des Nullzinses ein Lied singen, weil seine Sparanstrengungen nicht belohnt werden. Auch hier geht das Prinzip: "Leistung soll sich lohnen!" verloren. Schmid: "Diese Zinspolitik muss sich ändern, wenn wir den Wohlstand erhalten wollen. Mit jedem Tag, an dem Deutschland nichts gegen diese Situation unternimmt, geht ein Stück Vertrauen in das Leistungsprinzip verloren, das dieses Land so gut dastehen lässt."




Diesen Artikel als PDF-Dokument herunterladen:


{if_files}Weitere Informationen zu diesem Artikel als PDF-Dokumente herunterladen:

zurück