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27.10.2014 - "Die EZB macht ihren Job, wir machen unseren"

Interview mit Franz Schmid, Vorstandsvorsitzender der Bezirksvereinigung der VR-Banken in der Region Ravensburg-Bodensee-Sigmaringen, anlässlich der Veröffentlichung des Ergebnisses des EZB Stresstests, Altshausen, 26. Oktober 2014.

"Die EZB macht ihren Job, wir machen unseren"

Mit welchen Ergebnissen hat die DZ Bank, das Spitzeninstitut der VR-Banken, bei der Aktivabewertung, dem Basis- und dem Worst-Case-Szenario abgeschnitten?
Laut EZB liegt die harte Kernkapitalqoute im „Basiszenario“ für das Jahr 2016 bei 8,7 Prozent und im „Worst-case-Szenario“ bei 6 Prozent. Also deutlich über den Anforderungen der EZB. Bemerkenswert ist, dass in diesen Zahlen die im Juli dieses Jahres – also ein halbes Jahr nach dem Stichtag – durchgeführte Kapitalerhöhung von 1,5 Mrd. Euro durch den genossenschaftlichen Verbund in diese Berechnungen nicht eingeflossen sind. Die DZ-Bank und die Gruppe sind also für die Zukunft gerüstet.

War der Banken-Stresstest der EZB streng genug, um Probleme bei den Geldhäusern zu Tage zu fördern? Schließlich waren Derivate und Staatsanleihen von vornherein ausgeklammert, Assetklassen, die mitnichten risikofrei sind.
Das wird die Zeit zeigen. Über die Frage der Gestaltung lässt sich immer streiten. Das ist wie die Frage, wie erdbebensicher ein Haus in Oberschwaben sein muss, um 1000 Jahre zu überleben. Wichtig ist: Die EZB zeigt Präsenz. Sie will beweisen, dass sie die Probleme angehen will und ihre Hüter-Aufgabe ernst nimmt. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht für ihre Glaubwürdigkeit. Alles andere muss sich zeigen.

Die EZB verbindet mit dem erfolgreichen Stresstest die Hoffnung, dass das Vertrauen in den Finanzsektor zurückkehrt und die Institute sowohl anderen Banken als auch Unternehmen leichter Geld leihen. Zurecht?
Wir VR-Banken können uns über mangelndes Vertrauen nicht beklagen. Wir sind seit 2008 stärker gewachsen – und zwar in realen Einlagen und realen Krediten – als jede andere Bankengruppe. Das gilt auch für andere regionale Institute mit bodenständigen Geschäftsmodellen. Dass andere Banken, deren Geschäftsmodell heute ebenso absurd ist wie vor 2008/2009, Probleme bekommen, beweist nur, dass die EZB den richtigen Ansatz gewählt hat.

Der aktuelle Stresstest dient der Vorbereitung der europäischen Bankenunion. Einer der Pfeiler ist die gemeinsame Aufsicht über die wichtigsten Banken unter dem Dach der EZB ab dem 4. November. Sehen  die Volks- und Raiffeisenbanken ihre Besonderheiten unter diesem Regime richtig berücksichtigt?
Wir behalten unsere Aufsichtsmechanismen, weil jedes Institut für sich nicht systemrelevant ist. Insofern sind wir froh darüber, dass die EZB ein Einsehen hatte und wir dem direkten Zugriff der EBA zunächst entkommen sind. Alles andere wäre nur teuer und wenig zielführend gewesen. Wir werden weiterhin von den genossenschaftlichen Prüfungsorganen sowie von der BaFin geprüft. Unser gegenseitiges Sicherungssystem hat bislang alle Krisen überstanden. Ich wüsste nicht, warum das jetzt in Frage gestellt werden sollte. Man darf nicht vergessen, dass die VR-Banken ohne staatliche Hilfe und ohne Pleiten durch diese Finanzkrise gekommen sind. Es wäre absurd, ausgerechnet sie nun an die Kandare zu nehmen.

Die Erfahrungen mit Stresstests sind zwiespältig. Insbesondere in Europa, mit dem Nebeneinander von supranationalen und nationale Aufsichtsbehörden, droht die Verwässerung von strengen Test. Wie sehen Sie das?
Man kann es auch so sehen: Würde jede Bank die in ihrem Land geltenden Regeln einhalten, hätten wir keine Krise und bräuchten keine europaweite Aufsicht oder einen europaweiten Stresstest. Man muss eine Bank verstehen, bevor man sie auf Herz und Nieren prüft. Insofern ist das Nebeneinander von supranationalen, nationalen und institutsspezifischen Aufsichtsbehörden und Tests nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig. „Die EZB macht ihren Job, wir machen unseren“. So bitter die zusätzlichen Auflagen für uns auch sein mögen, so wichtig ist es doch, dass die EZB endlich in anderen, nicht funktionierenden Finanzsystemen und Banken durchgreift.

Insgesamt 25 von 130 Instituten sind durchgefallen. Waren Sie überrascht von der doch hohen Anzahl und wie geht es jetzt weiter? Werden alle Banken ihre Eigenkapitallücken stopfen können oder werden wir Bankenpleiten sehen?
Diese Zahl war zu erwarten. Wie es weitergeht, kommt darauf an, wieviel Zeit uns bis zur nächsten Krise bleibt. Erholt sich die Wirtschaft, erholen sich die Staatshaushalte, erholen sich die Unternehmen? Oder rutschen die Krisenländer weiter ab – samt den Folgeerscheinungen wie Unternehmenspleiten und Arbeitslosigkeit? Die Finanzkrise war im Kern und in ihrer Entstehung keine Bankenkrise, sondern eine Staatskrise. Zusammen sind sie mit den Staaten dem Ruf des billigen Geldes in immer abenteuerliche Anlagevarianten gefolgt. Wir werden in den kommenden Jahren schwache Banken sehen die aus dem Markt ausscheiden. Verantwortung ohne Haftung geht eben nicht. Es ist an der Zeit, einen Abwicklungsmechanismus in Gang zu setzen, der die Unausweichlichkeit der Systemrelevanz außer Kraft setzt. Wenn die EZB das schafft, sind wir einen bedeutenden Schritt weiter.


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Vorstandsvorsitzender der Bezirksvereinigung der VR-Banken in der Region Ravensburg-Bodensee-Sigmaringen