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25.09.2014 - Chinesen sind die geborenen Bausparer

Schwäbisch Hall seit zehn Jahren in China aktiv - Ausweitung geplant

Peking - Die Bank in Tianjin sieht aus wie ein deutsches Geldinstitut in den 1970er-Jahren. Hinter dicken Glasscheiben kauern streng blickende Beamte. Kunden müssen lange warten auf ihre humorlose Abfertigung am Schalter.

In diesen grauen, tristen Filialen wird sich die nächste Stufe des chinesischen Wirtschaftswunders abspielen. Denn die Kommunistische Partei hat entschieden, den rückständigen Finanzmarkt von staatlichen Vorschriften zu befreien, Zinsen freizugeben und den Bürgern mehr Eigenverantwortung abzuverlangen. Damit schlägt die Stunde einfallsreicher Finanzkonzerne.

Eifrige Sparer
Privatleute in China machen wenig Schulden. Dafür sparen sie eifrig. Im Schnitt legen Chinesen doppelt so viel von ihrem Einkommen zurück wie Deutsche. Beinahe jedes junge Paar träumt vom Besitz einer eigenen Wohnung: ideale Voraussetzungen also für Bausparkassen. "Wir haben es mit Kunden zu tun, denen man das Sparen nicht beibringen muss", sagt Christian Oestreich, Bereichsleiter Auslandsmärkte der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Der Marktführer aus dem Hohenloher Land ist seit 1998 in China aktiv. Gemeinsam mit der China Construction Bank betreiben die Schwaben seit zehn Jahren das Unternehmen Sino-German Bausparkasse (SGB), an dem sie 24,9 Prozent halten. Die SGB ist die einzige Bausparkasse Chinas und wächst seit Jahren beständig.

Zum Jubiläum der sino-schwäbischen Zusammenarbeit ist der neue Chef von Schwäbisch Hall, Reinhard Klein, mit dem Beirat seiner Bausparkasse nach China gereist. Im Beirat war die Frage aufgekommen, ob es denn für eine deutsche Bausparkasse nötig sei, sich auf Abenteuer im Ausland einzulassen. "Was macht unsere Bausparkasse in China?", wollte etwa Josef Hodrus wissen, Chef der Volksbank Allgäu-West und Bezirksvorsitzender der Volks- und Raiffeisenbanken in Ravensburg-Bodensee-Sigmaringen. Als mahnendes Beispiel führten Hodrus und seine Kollegen die verunglückten Geschäfte der VR-Leasing in Ungarn an.

Günstiger Fünfjahresplan
Schwäbisch-Hall-Chef Klein bekräftigt, dass deutsche Bausparer keine Wohnungen in China finanzieren. Die chinesische Bausparkasse sei ein in sich geschlossenes System, das Risiko sei begrenzt. "Wir stellen maximal ein Jahresergebnis ins Feuer." Am Ende der Reise nach China wird auch Hodrus sagen: "Wenn hier Geld verdient wird, ist das gut für die Muttergesellschaft."

Der jüngste Fünfjahresplan der allmächtigen Kommunistischen Partei spielt Schwäbisch Hall in die Hände. Chinas Regierung hält den Mangel an Wohnraum für eines der größten Probleme im Land. Städte wie Tianjin nahe der Hauptstadt Peking wachsen jedes Jahr um eine Million Menschen. Wanderarbeiter drängen in die Städte, die Mittelschicht verlangt nach besseren Wohnungen, alte Mietskasernen werden abgerissen, um Platz für Straßen, Bahntrassen und Bürohochhäuser zu schaffen.

Unterstützung der Regierung
Statt aber nur Sozialwohnungen zu bauen und diese in einem komplizierten - und korruptionsanfälligen - Verfahren an Bedürftige zu vergeben, will Chinas Regierung den privaten Wohnungsbau fördern und ärmeren Menschen Zuschüsse für den Kauf von Wohnungen gewähren. Das macht das Bausparen aus Sicht der chinesischen Regierung so attraktiv. "Bausparen passt gut zum Entwicklungsmodell Chinas", sagt Professor Horst Löchel von der Frankfurt School of Finance.
Eine dieser Satellitenstädte mit 4000 Wohnungen liegt in Tianjin. Diese "new towns" (neue Städte) ähneln Trabantenstädten, wie sie in den 1970er-Jahren auch in Deutschland entstanden. Für chinesische Arbeiter sind die Hochhäuser ein Traum. Eltern geben ihren Kindern ihr Erspartes, damit sie sich eine Wohnung kaufen können. Der Quadratmeter in geförderten Wohnungen kostet hier weniger als 900 Euro. Chinesen übernehmen ihre vier Wände üblicherweise als Rohbau.
Bisher ist die Sino-German Bausparkasse in zwei Städten vertreten: Tianjin und Chongqing, eine Stadt im Westen mit 35 Millionen Einwohnern. Bausparen ist Sache der Provinzen: Sie entscheiden, welche Zuschüsse sie auf Bausparverträge zahlen. Das China-Geschäft Schwäbisch Halls gilt also nach wie vor als Pilotversuch in kleinem Rahmen.

Mächtige Strippenzieher
Doch Chinas Regierung scheint vom Bausparen überzeugt. Am Bausparkongress in der deutschen Botschaft in Peking nimmt einer der wichtigsten Finanzmanager des Landes teil: Wang Hongzhang. Er ist Chef des Schwäbisch-Hall-Partners China Construction Bank, der zweitgrößten Bank der Welt. "Chairman Wang" gehört zu den mächtigen Männern der Kommunistischen Partei, sein Wort zählt in China.

Mehrere Funktionäre lassen durchblicken, dass die Bausparkasse bald die Genehmigung für die Städte Dalian und Jinan an der Ostküste erhalten wird - ein Vertrauensbeweis, dem eine Lizenz für ganz China folgen könnte. Schwäbisch-Hall-Chef Klein sagt: "Bald müssen wir keinen Häuserkampf mehr machen."

Nur auf das in Deutschland so beliebte Maskottchen, den roten Fuchs, muss Schwäbisch Hall in China verzichten: Der Fuchs gilt bei den Chinesen zwar als schlau, aber auch als verschlagen.

Die Recherchereise nach China fand auf Einladung von Schwäbisch Hall statt.




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