Presse > Presse Detail

06.06.2014 - Schlechte Zeiten für Sparer

EZB senkt erneut die Zinsen – Es wird immer schwieriger, sein Geld gut anzulegen

Von Wolfgang Mulke

BERLIN - EZB-Chef Mario Draghi hat mit der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag noch einmal die Schleusen für billiges Bankengeld geöffnet. Der Leitzins wurde von 0,25 auf 0,15 Prozent gesenkt. Gleichzeitig kündigte Draghi an, dass sich diese Niedrigzinspolitik bis 2018 fortsetzen werde. Ob das verabschiedete Maßnahmenbündel die beabsichtigte Wirkung zeigt, darin sind sich die Experten uneinig. Nur in einem Punkt herrscht Einigkeit: Der Verlierer ist der Sparer. Was auf ihn zukommt:

● Bekommen Sparer jetzt gar keine Erträge mehr für Sparbücher oder Festgelder? Die Zinsen für Einlagen bei der Bank, zum Beispiel Sparbuchguthaben oder Festgelder werden noch ein Stück weiter runtergesetzt. Die Guthaben verlieren damit faktisch an Wert, weil die Verzinsung unterhalb der Preissteigerungsrate liegt. Es wird immer schwieriger, sichere Anlagemöglichkeiten zu finden, die trotzdem noch etwas abwerfen.

● Wo können Anleger ihr Geld noch gut anlegen? Bei sehr sicheren Sparformen ist die Verzinsung auf mittlere Sicht betrachtet sehr gering. Mit steigendem Risiko lassen sich höhere Renditen erwirtschaften. Das könnten zum Beispiel Staatsanleihen aus anderen Euroländern sein oder auch Anleihen von wirtschaftlich starken Unternehmen. In den letzten Monaten haben sich Aktionäre über eine sehr gute Wertentwicklung freuen können. Aktien sind in den Augen der Anleger angesichts der niedrigen Zinsen eine attraktive Alternative wegen ihrer höheren Rendite. Nach der EZB-Entscheidung vom Donnerstag sprang der Dax über die 10 000-Punkte-Marke. Ob der Börsenboom anhält, vermag jedoch niemand vorherzusagen. Manche Experten halten das derzeitige Kursniveau schon für überhöht.

● Ist der Kauf von Immobilien jetzt die beste Entscheidung? Es spricht viel für den Erwerb einer Wohnung oder eines Hauses. Denn die Finanzierungskosten sind so niedrig wie nie zuvor. Doch in vielen begehrten Lagen der Innenstädte ist mittlerweile auch das Niveau der Kaufpreise stark angestiegen. In einigen Gebieten sprechen Experten schon von einer Preisblase. Dennoch gilt die alte Weisheit der drei wichtigsten Faktoren für den Kauf: Lage, Lage und nochmals Lage.

● Warum sind niedrige Zinsen eine Gefahr für die private Altersvorsorge? Arbeitnehmer oder Selbständige, die einen großen Teil ihres späteren Einkommens privat ansparen, bekommen durch die anhaltende Phase niedriger Zinsen mit Beginn des Ruhestands viel weniger heraus als erwartet. Denn die ursprünglichen Prognosen für den Ertrag gingen von einer höheren Verzinsung aus als nun tatsächlich erreicht werden kann. Wer 30 Jahre spart und nun statt der erhofften Durchschnittsrendite von vier Prozent nur noch auf 2,5 Prozent kommt, hat am Ende fast ein Drittel weniger angespart als geplant. Entsprechend geringer ist dann das spätere Alterseinkommen.

● Werden Kredite und der Dispo jetzt billiger? Ratenkredite oder Hauskredite und am Ende wohl auch der Dispo werden meist mit einer gewissen Zeitverzögerung günstiger, weil Banken und Sparkassen die Senkung des Leitzinses zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben.

● Bleibt der Trend zu niedrigen Zinsen noch lange erhalten? Selbst wenn der Grund für die niedrigen Zinsen entfällt, die Inflation also wieder anzieht und die Wirtschaft in Südeuropa wieder auf die Beine kommt, werden die Zinsen noch wenigstens ein Jahr lang auf sehr niedrigem Niveau verharren. Denn ein schneller Trendwechsel könnte nach Ansicht von Experten zu neuerlichen Turbulenzen an den Finanzmärkten führen und eine neue Krise heraufbeschwören. Deshalb wird die EZB die Zinsen bei einem Kurswechsel in kleinen Schritten erhöhen.

● Was geschieht, wenn es über viele Jahre kaum noch Zinserträge gibt? Dann bekommen vor allem die Versicherungen ein Riesenproblem. Sie haben ihren Kunden in der Vergangenheit hohe Garantieleistungen versprochen, die sie kaum noch durch die Erträge ihrer Anlagen finanzieren können. Die Versicherten wiederum müssten sich mit viel niedrigeren Auszahlungen abfinden als erhofft. Denn über die garantierten Zinsen hinaus haben einige Anbieter nichts mehr zu verteilen.


Diesen Artikel als PDF-Dokument herunterladen:


{if_files}Weitere Informationen zu diesem Artikel als PDF-Dokumente herunterladen:

zurück